Ines Doleschal

 

Pressemitteilung zur Ausstellung von Ines Doleschal

Eröffnung, Dienstag 20. September 2016, 19 -21 Uhr,

Finissage, Samstag, 22. Oktober 2016, 12 – 16 Uhr

Zur Einführung spricht Anna-Lena Bruns, MA, Kunstwissenschaftlerin

 

maßvoll – Malerei und Arbeiten auf Papier von Ines Doleschal

„maßvoll“ – Ines Doleschals erste Einzelausstellung in der Galerie Grashey – versam­melt Arbeiten aus einem knappen Jahrzehnt. Das künstlerische Ansinnen, Raum und Architektur in allen Facetten zu untersuchen, wird durch jede der Arbeiten der Berliner Künstlerin mit süddeutschen Wurzeln an­schaulich: Das Verhältnis von Raum zur Fläche, von Binnenstruktur zum Rand, von Farbe zur Form, von Transparenz zur Opazität und schließlich von Spannung und Dynamik zur inneren Ausgewogen­heit – diese und mehr Kategorien erwägt die Künstlerin mit sensiblem Auge und maßvoller Hand.

Ines Doleschals Arbeiten von 2007-2010 auf Leinwand und Karton ist gemein, dass sie alle aus Skizzen inspiriert sind, die sie unterwegs an markanten urbanen Orten und vor Architekturen in zu­meist europäischen Metropolen angefertigt hat. Diese Zeichnungen übersetzte die Künstlerin im Atelier in kraftvoll gemalte Raumge­bilde und kondensierte im Malprozess Charakteristika der bau­lichen Struktur, ohne den Wiedererkennungseffekt einzuplanen oder auf ein funktional-analytisches Abbild Wert zu legen. Die abstrakten, bisweilen auch absurden Innenräume und Raum­aufsichten der Werke „Stadthaus“ und „Ludwig Múzeum Budapest“ nehmen den Betrachter mit, ja ziehen ihn geradezu hinein in die Bildtiefe und führen ihn entlang einer dynamisierten Raumflucht in ein räum­lich Ungewisses, das nicht selten die architektonischen Grundbedingungen auszuhebeln scheint.

Während vorgefundene Gebäude und der städtische Außenraum Anreger für Ines Doleschals Malerei bis 2010 sind, ließ sie sich seit 2011 in „Faltungen“ mehr und mehr auf einen eigenständi­gen Zugriff auf Farbe und Form ohne Wirklichkeitsbezug ein. Hier ist die Suche nach der kühnen Geste, nach formaler Reibung und doch sinnvollem Zusammenhalt ein Hauptimpuls – als glaube diese Kunst an die Ver­sprechen der (Bauhaus-)Moderne, „gute Form“ in jeder künstlerischen, aber auch in jeder alltäglichen schöpferischen Gestalt auszubilden und allgegenwärtig zu machen.

Zwischen Fund und Erfindung ist schließlich die Serie „Hommage an HS“ anzusiedeln. Auf etwa 20 Blättern befasst sich die Künstlerin mit den Farbkonzepten der Werkstatt für Wandmalerei des Meisters Hinnerk Scheper („HS“) am Bauhaus Dessau. Unter Schepers Leitung wurde eine enorme Vielfalt von Farbkonzepten nicht nur für die Interieurs des Bauhauses und der Meisterhäuser in Dessau ausgeführt, die mitnichten nur den Grund- und Nichtfarben verpflichtet sind. Vielmehr entwarfen Scheper und seine Studenten Farbpläne für progressiv gesinnte Auftraggeber von Villen, Museen und medizinischen Institutionen weit über Dessau hinaus. Die farbliche Kombinatorik ist dabei geradezu eklatant. Dort, wo die Scheperschen Farben erhalten und verbürgt sind, meint man, einen visuellen Appell für mehr Mut zur Farbe ange­sichts des heute vorherrschenden Einerleis von Weiß und Betongrau abzulesen. Auch die Blätter von Ines Doleschal vermitteln diesen Farbreichtum, umso mehr, als das Weiß des Papiergrundes „mitarbeitet“ und die farbigen Raumgestalten geradezu auratisiert.

Die malerische Reverenz der Künstlerin an diesen Bauhausmeister steht vielleicht exemplarisch für ihr gesamtes Werk: Es ist in allen Facetten immer auch ein Aufruf an die Gestalter unserer urbanen Wirklichkeit, mehr Beherztheit und weniger Pragmatis­mus, mehr Sinn für Utopisches und weniger gesetzte Banalität walten zu lassen.

Biografie: Ines Doleschal, geb. 1972 in Waiblingen, lebt und arbeitet seit 2001 in Berlin. 1992-95: Kunstgeschichte- und Anglistikstudium an der Uni Tübingen, 1995-96: Pre-Degree Course Art and Art History, Goldsmiths' College London, 1996-2001: Studium der Malerei und Kunsterziehung bei Elly Strik und Udo Scheel an der Kunstakademie Münster, Englisch­studium an der Uni Münster; 2001-04: Postgraduiertenstudium „Art in Context“ an der Universität der Künste Berlin.

Stipendien: 1999: Kunstakademie Münster, Arbeitsaufenthalt in Paris, 2004: 2. Preis des künstlerischen Wettbewerbs des Kulturamts Neukölln, 2007: Stipendium der Agnes Straub und Käthe Dorsch-Stiftung Berlin, 2009: Stipendium des Kunstvereins Frankfurt Oder, 2010 Arbeitsstipendium im Künstlerhaus Lukas, gefördert durch das Land Mecklenburg-Vorpommern.

Ausstellungen (Auswahl): 1999: Förderpreisausstellung, Städtische Ausstellungshalle, Münster, 2000: Wait Your Turn, Torraum der Kunstakademie Münster, 2001: Klassenausstellung Prof. Scheel, Kunstverein Bielefeld, Ich und der Andere, Rathaus Mössingen, 2003: bleiben und gehen, ARD-Hauptstadtstudio Berlin, 2006: Eine ganze Stunde, Medizinisches Institut der Universität Basel, 2007: ++++PLUSZ++++, Galerie delta35, Berlin (mit Beatrix Szörényi), Kapitalistische Freund­schaft, Collegium Hungaricum Berlin, labyrinthisch, Galerie Greulich, Frankfurt Main, Das kleine Format, Studioaus­stellung, Galerie Epikur, Wuppertal, 2008: Kunst in Tübingen, Stadtmuseum Tübingen, Inside/Outside, Galerie im Saalbau Neukölln, Berlin (mit Sascha Donsbach), 2009: Plotting the City, Galerie Greulich, Frankfurt Main aufgezeichnet, Kunstverein Frankfurt Oder, The Way Out, Galerie Epikur, Wuppertal (mit Simone Haack und Christoph Jakob), stadtHausRAUM, Städtische Galerie Ostfildern (mit Cécile Dupaquier), 2010: void, Friedman Galerie und Projekt, Berlin (mit Cécile Dupaquier), Folly - Orte zum Verweilen, Projekt für eine Außeninstallation in Wustrau/Ruppiner Land, Grenzenlos.Vielfältig.Eins, Galerie Berlin Art Projects, Berlin, 2011: ganz woanders, Galerie Greulich, Frankfurt Main, motiv:architektur, Künstlerverein Walkmühle e.V., Wiesbaden, Konstruktion Dekonstruktion, Projektraum Alte Feuerwache Berlin-Friedrichshain, 2012: Raum ermessen, Städtische Galerie Pforzheim (mit Gaby Taplick und Cécile Dupaquier), 2013: Faltungen, Galerie Greulich, Frankfurt Main, 7+1, Galerie Jordan/Seydoux, Berlin, 2014: Heim­spiel Mitte, Ausstellung des Frauenmuseum Berlin e.V., Galerie weißer elefant, Berlin, moving space, rk Galerie für zeitgenössische Kunst, Berlin (mit Elgin Willigerodt), Sites and Cities, Galerie Michael Heufelder, München, 2015: relocating structures, Schwartzsche Villa, Berlin (mit Bram Braam), Anonyme Zeichner* 2015, Galerie Nord I Kunstverein Tiergarten, Berlin; artQ13 Rom, sowie Galerie Geyso 20, Braunschweig, 2016: hues and glues, Galerie Greulich, Frankfurt Main, Einzelausstellung, exTRakt, Anhaltischer Kunstverein Dessau (mit Elgin Willigerodt), URBAN, Kommunale Galerie Berlin, Berlin, Gegenwartsdynamiken, GEDOK Galerie, Berlin