Leon Tarasewicz

Ausstellung: Bodenmalerei von Leon Tarasewicz in der Galerie Grashey
 19.09.2006 bis 21.10.2006
 
 
Im Eingangsraum der Galerie entstand in der Nacht vom 15. auf den 16. September 2006 erstmals eine Bodenmalerei.

Leon Tarasewicz wurde 1957 in Stacja Walily geboren, in der Provinz von Bialystock, heute in Polen gelegen. Seine Eltern waren Weißrussen und weißrussisch war seine erste Sprache. Polnisch lernte er in der Schule, seine Zweisprachigkeit empfand er als natürlich.
1979-85 studierte Tarasewicz an der Akademie der Schönen Künste in Warschau. 1985 stellt er zum ersten Mal im Ausland aus, in London, in Birmingham und Bristol.
 
Es beginnt eine Reihe von Ausstellungen in aller Welt. Die berühmte Foksal Galerie in Warschau stellte den Kontakt zum Modernen Museum in Stockholm, her. Es folgte ein dreimonatiger Studienaufenthalt in Schweden. Die dort entstandenen Bilder wurden in der Galerie Nordenhake, Stockholm, ausgestellt. Er stellt nun des öfteren in dieser Galerie aus, die inzwischen auch eine Dependance in Berlin betreibt. 1986 folgen Ausstellungen in Malmö und Venedig, 1987 in New York, wo er 1988 einen dreimonatigen Stipendiatsaufenthalt wahrnehmen konnte.
Im Rahmen der Biennale in Venedig nimmt Tarasewicz bei der „Aperto 88“ teil. Außerdem erhält er den Stanislaw Wyspianski Kunstpreis und 1990 den Spezialpreis beim 22. Inter¬nationalen Festival in Chateau-Musee de Cagnes-sur-Mer in Frankreich. 1991 beteiligte er sich in der Bonner Kunsthalle an der Ausstellung „Kunst, Europa, Polen“, es folgte eine Einzelaus¬stellung im Kunstmuseum in Tel Aviv. 1997 führt er erstmals bemalte Säulen in den Raum ein. Ein Jahr später führt er ebenfalls zum ersten Mal eine Komposition auf dem Boden aus. In den nächsten Jahren folgen Ausstellungen in der Türkei, Berlin, Warschau, Prag, Kattowitz, Bialystock und in Seoul, Korea.
Ein absoluter Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere war im Jahre 2001die Gestaltung des Polnischen Pavillons bei der Biennale in Venedig. Mit der dort gezeigten großflächigen Bodenarbeit erreichte er einen sensationellen Erfolg. Eine Bodenarbeit steht auch im Mittelpunkt der Ausstellung bei Grashey.
Inzwischen lehrt Tarasewicz als Leiter des Malstudios an der Akademie der Schönen Künste in Warschau.
 
 
Die ostpolnischen Landschaft und die byzantinische Bilderwelt prägen unverkennbar Tarasewiczs Malerei. Sein Geburts- und heutiger Wohnort Walily, unmittelbar an der Grenze zu Weißrussland, in der Woiwodschaft Podlachien, liegt in einer der unberührtesten Landschaften Europas. Das Thema Landschaft bewegt ihn von Anfang an. Im Laufe der Jahre wurde der Abstraktionsgrad immer größer. Was seine Bilder so lebendig macht, ist die physische Farbe. Die Farbe selbst wird bei Tarasewicz haptisch und körperlich. Es sind keine Abbilder der Natur, sondern ein übergeordnetes, summarisches System, das für Natur steht und zugleich auf ein mystisches Ganzes weist. Ein großer innovativer Schritt war es für Tarasewiczs künstlerische Arbeit, über die Bildgrenzen hinauszugehen und den Wandel von Landschaftsbildern zu Bilderlandschaften für sich zu entdecken. Der Künstler eroberte den Raum selbst: Wände, Decken, Böden, Säulen werden direkt bemalt. Die Trennung zwischen Bild und Betrachter wird aufgehoben, die Arbeit wird zu einem Ereignis, zu einer direkten physischen und emotionalen Erfahrung.
 
 
Die 2. Ausstellung in der Galerie Grashey mit Arbeiten des Künstlers Leon Tarasewicz findet im Deutsch-Polnischen Jahr 2006 statt.